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Monate später...

Einige Monate später saß Anastacia zum wiederholten Male an dem Tisch, den Blick wie so oft zuvor schon in die Ferne gerichtet, in einem kleinen Cafe unweit ihrer Wohnung. Soviel hatte sich verändert. Zu vieles nach ihrem Geschmack. Außer ihrem Äußeren hatten sich ihr Wohnort, ihre Arbeitsstelle und ihr "Beziehungsstatuts" geändert. Ana war so in Gedanken versunken, dass sie den Kellner erst nach einem weiterem Räuspern bemerkte. Erneut fragte er geduldig, was sie trinken wolle. "Einen Cappuccino, bitte." bestellte sie, wie immer das selbe. Der Kellner blickte sie nur neugierig und auch verwundert an. Ana malte sich zum tausendsten Mal aus, wie es ihm seit ihrem Streit ergangen war, aus. Der Streit, der alles veränderte. Der sie voneinander trennte. Jeden Moment, den sie für sich hatte, stellte sie sich die Frage, ob er genauso litt wie sie. Jedes Mal, wenn Ana solche Gedanken hatte, schrieb oder malte sie. Sie konnte und wollte ihn einfach nicht vergessen. Ana seufzte als der Kellner ihr den Cappuccion brachte. Als er sich von ihrem Tisch entfernte, sah sie, wie er den Kopf schüttelte.

 

Luca schüttelte denm Kopf als er zurück zur Theke kam. "Was ist los, Luca?" wollte Erkan wissen, der gerade aus der Umkleide trat und ihn sah. "Siehst du die junge Frau da hinten?" Erkan nickte kurz. "Sie kommt seit ungefähr drei oder vier Wochen hierher, bestellt immer das gleiche, starrt in die Luft, seufzt, malt oder schreibt." Luca zuckte mit den Schultern. "Schon komisch..." murmelte Erkan. Die beiden wurden, durch ein etwas zu laut gerufenes "ich will zahlen!", aus ihren Gedanken gerissen. "Erkan übernimmst du bitte?" fragte Luca. Erkan nickte und ging zu ihrem Tisch. Als er näher kam, schoß ihm ein bekannt vorkommender Duft in die Nase. Jedes Mal, wenn er ir Parfüm roch, zog es ihm fast den Boden unter den Füßen weg. Er versuchte es professionell zu ignorieren. "2,90€ bitte." Sie blickte auf und ihm direkt in die Augen.

 

 

Ana erschrak als sie auf die Uhr blickte. Hastig rief sie etwas zu laut:" Ich will zahlen!" und begann ihre Sachen einzupacken. "2,90€ bitte." vernahm sie eine ihr nur zu vertraute Stimme. Geschickt verbarg Ana ihr Entsetzen und blickte ihm direkt in die Augen. Sie reichte ihm vier Euro und rief, schon im Wegeilen: "Stimmt so." Sie flüchtete regelrecht aus dem Cafe, denn der Kellner war niemand anderer als Erkan. Außer Sichtweite holte Ana tief Luft. In ihrem Kopf rumorte es. "Seit Wochen komme ich fast täglich her und ausgerechnet heute treffe ich ihn. Ob er mich erkannt hat?" fragte sie sich. Immer wieder tauchte sein Gesicht vor ihren Augen auf. Die wenigen Sekunden, die sie ihn angesehen hatte, reichten völlig aus um sich jedes Detail in ihr Gedächtnis zu brennen. Er strahlte eine Traurigkeit aus. Er lächelte zwar, weil es der Job verlangte, doch sein Lächeln erreichte seine Augen nicht.

 

Erkan stand wie versteinert da und sah der jungen Frau nach. In ihm machte sich das Gefühl breit sie zu kennen. Der Geruch, die Bewegungen, ihre Körperhaltung alles schien ihm so vertraut. Er schüttelte den Kopf. Diejenige, die er im Sinne hatte, hasste ihn bestimmt. Und außerdem sah sie anders aus. Soweit er sich an ihr Bild erinnern kann. Je länger es her war, desto verschwommener wurde es. Langsam trottete er zurück hinter die Theke. Einsamkeit und Sehnsucht waren die letzten Monate seine ständigen Begleiter. "Hey, lass dich nicht so hängen. Das war bestimmt nicht deine mysteriöse Anastacia." Luca zog ihren Namen in die Länge. Erkan bereute zum wiederholten Male, ihm von Ana erzählt zu haben. Luca zuckte mit den Schultern, als er Erkans grimmiges Gesicht sah. "Dir ist wirklich nicht mehr zu helfen!"

 

Während ihres Dienstes hatte sie keine Zeit um nach zu denken. Hier fühlte sie sich sicher, wusste was von ihr verlangt wurde. Niemand der ihr Privatleben kannte. Niemand der ihre Vergangenheit kannte. Ana atmete wiederholt tief durch. Hier waren Kinder, die ihre Hilfe benötigten. Nach dem Dienst stand sie ind er Umkleide und betrachtete sich im Spiegel. Sofort fielen ihr einige Narben ins Auge, als sie sich umzog. Danach nahm Ana mit einem Seufzer ihr Handy aus dem Spind. Eine einzige Nachricht von ihrer Schwester Karen. "Bin schwanger und werde heiraten!" Wie immer sehr direkt und kurz gehalten. Da fiel Anas Blick auf den Thread den sie schon lange Zeit alleine führte. Erkan hatte sie einfach blockiert. Wegen eines Bildes... Trotz allem schrieb sie ihm jeden Tag mehrmals, immer in der Hoffnung er würde sie irgendwann entblockieren. Ana versuchte ihm zu erklären, warum und wieso das Bild. Sie hielt ihn immer auf den Laufenden. Schrieb ihm von ihrem Jobwechsel, dem Stadtwechsel, wie sehr sie ihn vermisst. Und fügte jedes Mal in Gedanken hinzu, wie sehr sie sich in ihn verliebt hatte. Ana wischte sich die Tränen, die heiß in ihren Augen brannten, weg. Ihr Blick fiel erneut auf ihr Display. Erst jetzt registrierte sie das heutige Datum. Sein Geburtstag!

 

 Erkan erwachte, ganz entgegen seinen normalen Gewohnheiten, mit den ersten Sonnenstrahlen. Seine Gedanken kreisten, wie in den letzten Wochen auch, nur ums Ana. Immer wieder stellte er sich die Frage, ob er nicht ungerecht zu ihr war. Der Zweifel bestärkte seine Entscheidung, das Herz jedoch protestierte gewaltig. Während er sich langsam anzog, vibrierte sein Handy ohne Unterlass. Gratulation um Gratulation trudelte ein. Doch je mehr er von den Standartgratulationen er las, desto unglücklicher wurde er. "Ich wünsche mir nur, dass du hier wärst Ana..." murmelte er zu sich selbst. Erkan tippte auf den Thread, der seit langer Zeit stumm blieb. "Lass es mir dir erklären. Nur nicht am Telefon." las er bestimmt zum tausendsten Mal. Der dumme Streit. Er blockte sie einfach, weil er wütend war. Zwar bereute er seine Entscheidung sofort, doch war sein Stolz zu sehr verletzt um es wieder rückgängig zu machen. Gerade als er sich die Frage stellte, ob sie an ihn dachte, klingelte es an der Tür. Sein Bruder kam vorbei: "Hey du. Alles Gute zum Geburtstag, Mann." gratulierte ihm sein Bruder und umarmte ihn. "Danke." murmelte Erkan. Gemeinsam machten sie die beiden auf den Weg zur geplanten Familienfeier. Erkan wiederholte in Gedanken seinen einzigen Wunsch.

29.3.17 18:55
 
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